Gedenkstättenfahrt nach Weimar
„Mir war ja klar, dass eine Gedenkstättenfahrt keine normale Klassenfahrt wird“, schildert die 19 -jährige Riona Scholz noch immer tief beeindruckt ihre Erlebnisse in Weimar, „und plötzlich habe ich Namen und Bilder zu den Menschen, die im KZ Buchenwald Zwangsarbeit leisten mussten, auf einmal sitze ich einem Bus, dessen Endhaltestelle „Buchenwald“ ist und weiß: Gleich besuche ich ein ehemaliges KZ. Hier haben reale Menschen Unschuldigen ihre Freiheit, ihre Würde und letztendlich ihr Leben genommen! Das ist ein beklemmendes Gefühl.“
Noch immer ringen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher des Berufskollegs Dieringhausen mit den passenden Worten. Vier Tage lang haben zwei Klassen Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald hautnah und auf eindrückliche Weise erlebt. Zunächst standen die Weimarer Klassik mit einer Führung in Goethes Wohnhaus und der Erkundung der Stadt, die so reich an Kunst und Kultur ist, ist Mittelpunkt. An jeder Ecke der Stadt scheint durch, dass die deutsche Geschichte hier in all ihrer Widersprüchlichkeit und mit ihren grausamsten Brüchen erlebbar wird. Die Lernenden erfuhren: Die Weimarer Republik als erster demokratischer Gehversuch in Deutschland steht mahnend dafür was passieren kann, wenn eine Demokratie nicht ausreichend Rückhalt hat und nur unzureichend abgesichert ist. Während das Bauhaus in Weimar seit 1919 der Moderne ein neues Aussehen verpasst und die Frage nach einem guten Leben in modernen Zeiten radikal neu beantwortet, bereitet die NSDAP in Weimar bereits 1926 ihren ersten großen Parteitag vor und gründet ihre Jugendorganisation. Lehrer Björn Cassebaum: „Wir wollten den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, dass die vielen Verbindungslinien in dieser Stadt Zeugnisse sind, dass die begangenen Verbrechen in den Konzentrationslagern kein „Betriebsunfall der Geschichte“ waren, sondern an noch heute existierenden Orten von realen Menschen geplant und begangen wurden.“
Gemeinsam mit seiner Kollegin Stephanie Altjohann bereiteten sie die Jugendlichen intensiv auf den Besuch der Gedenkstätte vor, ließen sie die Schicksale junger KZ Häftlinge recherchieren und sich über die eigenen Erwartungen und Gefühle austauschen.
Der Besuch der Gedenkstätte hat bei den jungen Menschen tiefe Spuren hinterlassen. Schülerin Riona Scholz schildert: „Plötzlich stehen wir an der Tür zum Häftlingslager, sehen die Aufschrift "Jedem das Seine". Wir sehen die Verbrennungsanlage, in der tote Menschen wie Gegenstände massenhaft verbrannt werden. Das Gefühl, den gleichen Weg durch das Lager zu gehen, wie die Häftlinge und SS-Wächter früher, war erdrückend und erschreckend real zugleich.“
Den begleitenden Lehrkräften war es ein besonderes Anliegen, diese Fahrt als Teil der Ausbildung zu begreifen. Schülerin Lucy Büser erzählt: „Buchenwald ist ein mit Traurigkeit aufgeladener Ort, der es uns erlaubt in die Geschichte einzutauchen. Ich denke, dass ich niemals in der Lage sein werde zu verstehen, warum diesen Menschen so unvorstellbare Dinge angetan wurden. Es wurde einer Ideologie nachgegangen, die es einem unmöglich gemacht hat, seinen Mitmenschen zu vertrauen. Ein Freund, der dir gestern noch Brötchen vorbei gebracht hat, ist morgen die Person, die dich bei der Polizei meldet und die Person, die dich nach Buchenwald bringen wird. Folterqualen, Demütigung und Entmenschlichung bestimmen den Alltag, Hunger und Durst sind tägliche Begleiter. Das ist so unvorstellbar grausam. Uns allen ist klar geworden: Wir tragen die Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder passiert!“
Mit einem veränderten Bewusstsein dafür, wie wichtig es auch und gerade in der heutigen Zeit ist, Demokratie zu stärken, endete eine unvergessliche Fahrt.
Berufskolleg Dieringhausen
Kontakt
Ernst-Zimmermann-Straße 26
51645 Gummersbach
Tel.: 02261 96800






