„There is no Planet B ornheim”

Umwelt- und Klimaschutz an der Europaschule Bornheim

Ein großer Hai als Sammelbox für Plastikflaschen, Stromleisten, die sich wie von Zauberhand selbst ausschalten und ein blühender Schulgarten: Mit diesen und vielen anderen Aktionen bringt die Europaschule Bornheim BNE in das Schulleben. Mehrweg-Tassen haben hier Coffee-to-go-Becher komplett ersetzt, Suchanfragen werden nicht gegoogelt, sondern in eine grüne Suchmaschine getippt, Bio- und Papiermüll streng getrennt. Getreu ihres Mottos „Think global, act local“ versuchen die 1.600 Schüler*innen, so umweltfreundlich wie möglich durch den Schulalltag zu kommen. Und setzen auch nach außen hin ein Zeichen für den Umwelt- und Klimaschutz.

Das Projekt geht an den Start

Pünktlich zum Neustart der Kampagne „Schule der Zukunft“ flatterte 2016 das Info-Schreiben auf den Schreibtisch des Schulleiters. Dieser war begeistert und trug die Idee weiter ins Kollegium. Ein engagierter Lehrer übernahm die Organisation und leitete das Projekt in die Wege. Zunächst galt es, passende Schwerpunkte für die zukünftigen BNE-Arbeit der Schule zu finden. Nach einigen Überlegungen wurde das Projekt unter den Titel „There is no Planet B ornheim“ gestellt. Dieser spielt darauf an, dass uns nur eine Erde zur Verfügung steht, deren Ressourcen begrenzt sind. Von daher müssen wir achtsam und bewusst mit ihnen umgehen.

Das Projekt startete mit einem Fotowettbewerb. Die Aufgabe: Die Schüler*innen sollten sämtliche „Missstände“ in Sachen Nachhaltigkeit an der Schule fotografieren. Die Auswertung der Fotos zeigte, dass es reichlich Handlungsbedarf in Sachen Umweltschutz gab. Besonders die riesigen Mengen Müll, die Tag für Tag in der Schule produziert wurden, stachen ins Auge.

Abfälle vermeiden, trennen, entsorgen

Schritt für Schritt begannen die Schüler*innen, das hohe Müllaufkommen zu reduzieren. Ein wichtiger Ansatzpunkt war die Mensa, in der viele – teilweise vollkommen überflüssige – Verpackungen angeboten wurden. Dafür suchten die Schüler*innen das Gespräch mit dem Caterer. Schon bald stellten sich die ersten Erfolge ein: Die Frühstücksbrötchen wurden nur noch ohne Papiertüte abgegeben und kleine Snacks wie Müsli in abspülbaren Schälchen verkauft.

Doch nicht alle Dinge ließen sich von heute auf morgen verändern. Für viele Maßnahmen war eine gehörige Portion Geduld, Ausdauer und Überzeugungsarbeit gefragt. So dauerte es mehrere Jahre, bis die Coffee-to-go-Becher endlich abgeschafft und komplett durch Mehrwegbecher ersetzt wurden.

Große Berge an Plastikmüll entstanden auch durch Einweg-Plastikflaschen. Ein Reli-Kurs entwickelte dafür eine kreative Lösung: Die Schüler*innen stellten eine Sammelbox in der Pausenhalle auf und brachten die leeren Flaschen selbst in einen Supermarkt. Die Erlöse aus dem Pfand spendeten sie an das Aufforstungs-Projekt „Plant for the Planet“. Die Aktion war ein voller Erfolg. Allein im Jahr 2018 konnten mithilfe der Spenden fast 200 Bäume gepflanzt werden. Inzwischen ist schon das zweite Nachfolgemodell der Sammelbox in Betrieb: Die Schüler*innen werfen ihre Plastikflaschen nun einem großen Hai aus Pappmaché in den Rachen.
Dennoch sollen noch mehr Schüler*innen zum Umstieg auf Mehrweg-Trinkflaschen motiviert werden. Ein Anreiz dazu bietet ein neuer Wasserspender, an dem die Schüler*innen ihre Flaschen kostenlos nachfüllen können.

Auch in den Klassenräumen wurde die Mülltrennung und sachgerechte Entsorgung konsequent verbessert. Denn obwohl die Schüler*innen schon seit einigen Jahren ihre Abfälle fein säuberlich in verschiedene Tonnen getrennt hatten, wurden diese von der Reinigungsfirma anschließend wieder in einem großen Restmüllbehälter zusammengekippt.
Im Rahmen des BNE-Projektes haben die einzelnen Klassen neue Mülleimer für Papier angeschafft, beschriftet und schön gestaltet. Sind die Papiereimer voll, leeren die Schüler*innen diese nun selbst in den neuen großen Papiercontainer vor der Schule.
Auch für die Bio-Abfälle gab es neue Lösungen. So hielt in die Schulküche eine Grünabfalltrennung Einzug. Im Schulgarten wurde ein Komposter aufgestellt, in den die Klassen ihren Bio-Müll entsorgen.

Energiesparen und Klimaschutz

Ein weiterer Schwerpunkt in der BNE-Arbeit der Schule sind die Themen „Energiesparen“ und „Klimaschutz“. Wo immer es die Ausstattung und das Gebäude zulassen, wird versucht, Energie zu sparen. So haben die Schüler*innen Zeitschaltuhren zum Stromsparen und Steckdosenleisten installiert, die sich beim Herunterfahren der PCs von selbst ausschalten. Finanziert wurden diese durch ein Fördergeld in Höhe von 500 Euro, das den Schüler*innen für ihr Projekt beim
3malE Schulwettbewerb zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem wurde auf vielen Computern die grüne, klimafreundliche Suchmaschine ecosia eingerichtet.

Im Januar 2020 fand der erste „Klima- und Umwelttag“ mit der gesamten Schule statt. In über 60 Projekten setzten sich die Schüler*innen mit ganz unterschiedlichen Aspekten des Klima- und Umweltschutzes auseinander: Sie beschäftigten sich mit ihrem ökologischen Fußabdruck, zimmerten Nisthilfen für Insekten, gestalteten Kunstwerke aus Müll und besuchten Vorträge von Expert*innen, die extra für diesen Tag an die Schule gekommen waren.

Im Herbst 2020 gab es noch eine Premiere: Zum ersten Mal nahmen die Schüler*innen als Team beim Stadtradeln teil. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Insgesamt 11.876 Kilometer legte das Schul-Team mit dem Rad zurück und kam auf Platz zwei in ganz Bornheim.

Wilde Vielfalt im Schulgarten

Um den Natur- und Artenschutz vor der Haustür zu fördern, hat die Schulgemeinschaft 2016/17 eine komplette Neugestaltung des Schulgartens in Angriff genommen. Seitdem hat sich der einst verlandete Schulteich in einen naturnahen, artenreichen Lebensraum entwickelt. Regelmäßig beobachten die Schüler*innen hier Frösche, Teichmolche, Libellen und andere Insekten, machen Bestandsaufnahmen und bestimmten die Wasserqualität.
Auf einer ehemaligen Rasenfläche ist inzwischen eine verwilderte Wiese in die Höhe gewachsen. Hier lassen sich Schmetterlinge, Heuschrecken, Amphibien, Igel und viele andere Tiere beobachten. Der Teich und die Wiese werden von den Schüler*innen im Bio-Unterricht, aber auch bei Projekten zum Natur- und Umweltschutz genutzt.

Ein Blick hinter die Kulissen der BNE-Arbeit

Die meisten Impulse und Ideen für die BNE-Aktivitäten kommen von den Schüler*innen selbst. Das ist auch wichtig, findet der Lehrer Moritz Elschner, der die BNE-Arbeit an der Schule koordiniert. Denn nur wenn sich die Schüler*innen für die Inhalte wirklich interessieren, sind sie motiviert und mit Begeisterung dabei. Bei Moritz Elschner laufen alle Fäden zusammen: Er plant und organisiert in Abstimmung mit der ganzen Schulgemeinschaft die BNE-Aktivitäten. Tatkräftige Unterstützung erhält er vom Arbeitskreis „Umwelt“ der SV. Die SV-Schüler*innen treiben die BNE-Arbeit an der Schule voran und stellen viele neue Projekte und Aktionen auf die Beine.

Dabei machen sie auch immer wieder die Erfahrung, dass sich nicht alle guten Ideen in die Praxis umsetzen lassen. Manchmal türmen sich unüberwindbare bürokratische oder technische Hindernisse auf. Zum Beispiel scheiterte eine smarte, energieeffiziente Regulierung der Temperatur in den Klassenräumen am fortgeschrittenen Alter der Heizungsanlage. Doch auch wenn einmal etwas nicht funktioniert, ist das für die Schüler*innen noch längst kein Grund, aufzugeben. Vielmehr halten sie nach anderen Lösungen Ausschau, um Umwelt und Klima zu schützen. Und davon gibt es jede Menge.

Eine große Rolle bei der BNE-Arbeit spielen die Arbeit in Netzwerken und die Kooperationen mit außerschulischen Partner*innen wie dem örtlichen Abfallunternehmen RSAG, der Stadt Bornheim und dem Caterer der Schule. Die Zusammenarbeit ist äußerst wertschätzend und konstruktiv. In vielen Bereichen wurden bereits gemeinsame, umweltfreundliche Lösungen entwickelt.

Regelmäßig nimmt die Europaschule Bornheim mit ihren BNE-Projekten an Wettbewerben teil. 2016 konnten sich die Schüler*innen über eine internationale Auszeichnung freuen: Bei der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ kamen sie auf Platz eins in Deutschland und auf Platz zwei in Europa. Eine Delegation von Schüler*innen reiste zur Preisverleihung nach Barcelona. Durch die Auszeichnung war auch das ZDF auf ihre BNE-Arbeit aufmerksam geworden. Ein Reporterteam kam an die Schule und drehte mit den Schüler*innen einen Beitrag für die Kindernachrichtensendung „logo!“.
2019 folgte im Rahmen des BundesUmweltWettbewerbs eine Einladung nach Kiel. Dort erhielten die Schüler*innen die Möglichkeit, ihr Projekt „There is no Planet B ornheim“ der Jury zu präsentieren.

Die Erfolgsserie setzte sich weiter fort. 2020 wurde die Europaschule Bornheim für ihr BNE-Engagement als „Schule der Zukunft“ ausgezeichnet. Auch in der nächsten Auszeichnungsrunde ist die Schule wieder mit dabei. Denn die Schüler*innen haben viele Pläne für neue BNE-Aktivitäten. Zum einen soll der Schulgarten noch wildbienenfreundlicher gestaltet werden, zum anderen ist eine neue Sammelstelle für Wertstoffe in der Mensa geplant. Dazu müssen allerdings zunächst noch Gespräche mit dem Caterer geführt und freiwillige Helfer*innen gewonnen werden, die Verantwortung für die Sammlung übernehmen. Darüber hinaus soll der Schulweg noch fahrradfreundlicher gestaltet werden. Hierzu sind mittelfristig Gespräche mit der Stadt Bornheim geplant.

Durch die vielen, quer durch die ganze Schule laufenden Aktionen trägt die Europaschule wesentlich dazu bei, den eigenen ökologischen Fußabdruck immer weiter zu reduzieren – kurzum: Ressourcen einzusparen und Umwelt und Klima zu schützen.

 

 

Kontakt

Europaschule Bornheim

Goethestraße 1

53332 Bornheim

Tel.: 02222/94170

E-Mail: moritz.elschner@europaschule-bornheim.de

Website: https://www.europaschule-bornheim.de/

Weitere Good-Practice-Beispiele für BNE an Schulen

Hier finden Sie Good-Practice-Beispiele einiger Schulen in NRW. Die Schulen besitzen ganz unterschiedliche Profile und Schwerpunkte. Doch eines ist allen gemein: BNE ist inzwischen zu einem festen Bestandteil ihres Schulalltags geworden.

Lassen Sie sich inspirieren