„Wir wirtschaften fair und umweltfreundlich.“

Nachhaltige Schülergenossenschaft am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium    Bünde

Das Spiel „Schere, Stein, Papier“ kennt wohl jedes Kind. Im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde ist der Name Programm: Die Schülergenossenschaft „Schere-Stein-Papier eSG“ verkauft nachhaltige und faire Schulmaterialien und Pausensnacks. Doch ihre Arbeit geht weit über den Verkauf hinaus: Sie trägt den Gedanken der Nachhaltigkeit in das gesamte Schulleben hinein. Ein Blick hinter die Kulissen der Schülergenossenschaft zeigt, wie sich wirtschaftlicher Gewinn, Umweltschutz und soziales Handeln miteinander vereinbaren lassen – ganz im Sinne von BNE.

Recycling-Hefte und faire Schoko-Riegel

Ob Vokabelhefte, Radiergummis oder Tintenpatronen – der kleine Laden neben der Aula hält alles bereit, was die rund 1.000 Schüler*innen zum täglichen Lernen benötigen. Beim Zusammenstellen des Sortiments achtet die Schülergenossenschaft auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. So reihen sich hier Zeichenblöcke aus Recyclingpapier neben Anspitzern aus Mais und unlackierten Bleistiften. Tintenkiller sucht man vergebens, denn das Gymnasium hat sich zum Ziel gesetzt, eine „tintenkillerfreie Schule“ zu werden. Mit verschiedenen Aktionen wirbt es bei den Schüler*innen dafür, die umwelt- und gesundheitsschädlichen Stifte aus dem Federmäppchen zu verbannen und Fehler einfach durchzustreichen.

Für die neuen Fünftklässler*innen hat die Schülergenossenschaft ein ganz spezielles Angebot entwickelt: „Startersets“, die vor der Einschulung von den Eltern gekauft werden können. In diesen „Rundum-Paketen“ sind alle Materialien enthalten, die die Schüler*innen für einen erfolgreichen Start am Gymnasium benötigen. Auch sie stammen größtenteils aus einer nachhaltigen, umweltschonenden Produktion.

Doch damit ist die Produktpalette von „Schere-Stein-Papier eSG“ noch längst nicht erschöpft. In den Pausen gehen hier jede Menge Snacks über die Ladentheke, für die die Schüler*innen oft Schlange stehen. Eingedeckt mit Studentenfutter, Schoko-Riegeln und vielen anderen Knabbereien können sie anschließend wieder Energie für die nächste Unterrichtsstunde tanken. Das Angebot wird durch Getränke wie Ingwer-Tee, Limo, Kaffee, Kakao ebenso wie durch fair produzierte Schulkleidung ergänzt.

Auch für die Lebensmittel gilt: So viele Produkte wie möglich werden aus der ökologischen Landwirtschaft und dem fairen Handel bezogen. Mittlerweile ist auch das Lehrerkollegium Stammkunde und bestückt den Kaffee-Automaten im Lehrerzimmer mit Fair Trade-Kaffee aus der Schülergenossenschaft.

Ein Unternehmen in Hand der Schüler*innen

Mit tatkräftiger Unterstützung der Lehrerin Annika Mazziotti wurde „Schere-Stein-Papier“ 2012 als ganz normale Schülerfirma gegründet. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich bei den teilnehmenden Schüler*innen immer stärker der Wunsch heraus, die Firma nachhaltiger und nach genossenschaftlichen Prinzipien auszurichten.
Schon bald setzten die Schüler*innen gemeinsam mit der Lehrerin ihren Plan in die Praxis um. 2014 wurde die Schülerfirma offiziell in die eingetragene Schülergenossenschaft „Schere-Stein-Papier eG“ überführt. Große Unterstützung kam dabei von der Partnergenossenschaft Volksbank Herford-Mindener Land eG.

Die Umwandlung der Schülerfirma in eine Genossenschaft brachte grundlegende strukturelle Änderungen mit sich. So werden Entscheidungen fortan nicht in Eigenregie von einem Chef oder einer Führungsspitze gefällt, sondern vielmehr in demokratischen Abstimmungsprozessen gemeinsam beschlossen. Die Satzung ist nachhaltig und fair und wurde von den Schüler*innen selbst entwickelt. Solidarität und Nachhaltigkeit spielen eine zentrale Rolle: Alle Mitglieder der Genossenschaft setzen sich gemeinsam für ein zukunftsfähiges Wirtschaften ein, bei dem faire Löhne für die Produzent*innen, der Schutz der Umwelt und wirtschaftlicher Gewinn miteinander im Einklang stehen.

Tatkräftige Unterstützung erhielt die Schülergenossenschaft von Anfang an vom stellvertretenden Schulleiter. Und auch bei den Eltern stieß das Projekt auf große Begeisterung. Denn obgleich viele Abiturient*innen später in der Wirtschaft Karriere machen, sind betriebswirtschaftliche Sachverhalte nur selten Gegenstand des Unterrichts. Auch gibt es so gut wie keine Möglichkeiten, umfassende Praxiserfahrung in einem Unternehmen zu sammeln.

Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium können interessierte Schüler*innen des 8. und 9. Jahrgangs im Differenzierungsbereich den Kurs „Schülerfirma“ wählen. Im Laufe dieser zwei Jahre lernen sie von Grund auf, ein eigenes Unternehmen zu führen. Bei ihrer Arbeit in der Schülergenossenschaft erhalten sie umfangreiche Einblicke in die gesamte Arbeitsweise eines Unternehmens und die verschiedenen Abteilungen. Während zunächst alle Schüler*innen im Verkauf arbeiten, können sie sich im Laufe der Zeit für andere Abteilungen bewerben. Zum Beispiel für die Buchführung, den Einkauf, das Lager oder das Marketing. Dazu müssen sie sich ganz offiziell mit einem Anschreiben und Lebenslauf bewerben. Einige Schüler*innen aus der 8. bis 12. Jahrgangstufe sitzen auch im Vorstand und Aufsichtsrat.

Durch ihre Arbeit in der Schülergenossenschaft eignen sich die Schüler*innen nicht nur betriebswirtschaftliches Fachwissen an, sondern verbessern auch ihre Soft Skills. Sie lernen zum Beispiel, im Team zu arbeiten und Verantwortung für die Geschäftsprozesse zu übernehmen. Denn bei der Jahresprüfung durch den Genossenschaftsverband müssen alle Zahlen stimmen.

Über klamme Kassen kann sich die Schülergenossenschaft nicht beklagen. 2019 lag der Umsatz bei rund 14.000 Euro. Ein großer Teil des Gewinns fließt in andere Nachhaltigkeits-Projekte der Schule. So hat die Schülergenossenschaft beispielsweise bereits ein neues System zur Mülltrennung, ein Insektenhotel und den Aufbau einer nachhaltigen Schülerbücherei finanziert. Für die Bücherei wurden neue Bücher zu BNE-Themen wie dem Klimawandel oder dem fairen Handel angeschafft, außerdem wurden Bücherkisten zu diversen Nachhaltigkeitsthemen für den Unterricht zusammengestellt.

Eine zentrale Rolle für die Arbeit der Schülergenossenschaft spielen die Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit. Häufig besuchen Lehrkräfte aus anderen Schulen das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, um sich Anregungen und Tipps für die eigene BNE-Arbeit zu holen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kooperationen mit Vertreter*innen aus Politik und Wirtschaft.

Weitere Aktionen und Projekte rund um BNE

Nachhaltigkeit ist auch in vielen anderen Bereichen der Schule allgegenwärtig. So werden zum Beispiel nachhaltige Tipps für das gesamte Schulleben von den Schüler*innen an das Schwarze „Nachhaltigkeits-Brett“ vor dem Lehrerzimmer gepinnt.

Im Neigungsfach „Naturschutz auf dem Schulgelände“ setzen sich Fünftklässler*innen für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt ein. Sie pflanzen im Schulgarten Gemüse und insektenfreundliche Stauden, zimmern Nisthilfen für Insekten und Vögel und erforschen die heimischen Tiere und Pflanzen.

Auch „klimafreundliche Mobilität“ ist immer wieder Thema, denn in dem ländlich geprägten Einzugsgebiet werden viele Schüler*innen von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. Um den Fünftklässler*innen aus der näheren Umgebung einen sicheren und umweltfreundlichen Schulweg mit dem Rad zu ermöglichen, wurde das Projekt „Fahrradscouts“ ins Leben gerufen. Ältere Schüler*innen warten morgens an festgelegten Treffpunkten auf die jüngeren Kinder und radeln mit ihnen gemeinsam zur Schule.

Immer stärker rückt in der letzten Zeit das Thema „Plastikmüll“ in den Fokus der BNE-Arbeit der Schule. In einer Projektwoche zum Thema „(Mikro-)Plastik“ haben sich die Schüler*innen intensiv mit dem globalen Ausmaß der Plastikverschmutzung und den verheerenden Auswirkungen auf Tiere, Menschen und die Umwelt auseinandergesetzt.
Auch die AG „Mikro-/Plastik“ hat dem Plastikmüll den Kampf angesagt. In Projekten und Aktionen informieren die Schüler*innen der AG die gesamte Schulgemeinschaft über das Plastik-Problem. Sie zeigen auf, wie sich Plastikmüll vermeiden und der Alltag nachhaltiger gestalten lässt. Auf dem Adventsbasar verkauften sie beispielsweise kleine Geschenksets mit festem Shampoo, Seife, Zahnputztabletten & Co. und gaben den Besucher*innen jede Menge Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest.

Ausblick in die Zukunft

Für das Erfolgsmodell der Schülergenossenschaft „Schere-Stein-Papier eSG“ wurde das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bereits dreimal als „Schule der Zukunft“ ausgezeichnet. Längst ist die Schülergenossenschaft fest in den schulinternen Curricula und im Schulprogramm verankert.

Auch für die Zukunft sind viele weitere BNE-Aktivitäten geplant. Beispielsweise sollen noch mehr Schüler*innen dazu angeregt werden, das Mittags-Angebot in der neu eröffneten Mensa zu nutzen und auf den Verzehr von aufwändig verpackten Snacks in der Mittagspause zu verzichten. Betrieben wird die Mensa von einem örtlich ansässigen Caterer, die Menus sollen mit frischen Lebensmitteln aus der Region zubereitet werden. Hier gibt es noch Verbesserungs-Potenzial in Sachen Nachhaltigkeit. Derzeit arbeiten Schule und Caterer gemeinsam an Lösungen, um das Verpackungsmaterial und die Abfälle durch Essensreste weiter zu reduzieren.

Pläne gibt es auch für das Schulgelände. Das vor Jahren von Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften gemeinsam naturnah umgestaltete Gelände soll in der nächsten Zeit renoviert werden. Darüber hinaus sollen weitere Akzente zur Begrünung umgesetzt werden.

 

Kontakt

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde

Ringstraße 69

32257 Bünde

Tel.: 05223/180690

E-Mail: maz@fvsg-buende.de

Website: www.fvsg-buende.de

Weitere Good-Practice-Beispiele für BNE an Schulen

Hier finden Sie Good-Practice-Beispiele einiger Schulen in NRW. Die Schulen besitzen ganz unterschiedliche Profile und Schwerpunkte. Doch eines ist allen gemein: BNE ist inzwischen zu einem festen Bestandteil ihres Schulalltags geworden.

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