„Nachhaltiger Apfelsaft aus der Region“

Die Schülergenossenschaft „Keppels Früchtchen“ am Gymnasium Stift Keppel Hilchenbach

Grüne Wiesen, Wälder und Felder soweit das Auge reicht: Das Gymnasium Stift Keppel liegt inmitten einer idyllischen Bilderbuch-Landschaft am Rande des Rothaargebirges. Wo heute der Schulgong ertönt, riefen einst Klosterglocken Nonnen zum Gebet. Denn lange Zeit war die Schule ein Kloster, später Damenstift und Mädcheninternat. Die Schülergenossenschaft „Keppels Früchtchen“ knüpft an die klösterliche Arbeitstradition an. Sie erntet die Äpfel auf den Wiesen in der Umgebung und produziert nachhaltigen Apfelsaft in Spitzenqualität. Dabei zeigt sie auf, wie sich durch ökologisches und soziales Handeln ein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt auf den Markt bringen lässt.

Apfelernte und Saftproduktion in Teamarbeit

Jedes Jahr im September und Oktober herrscht bei „Keppels Früchtchen“ Hochbetrieb – die Erntesaison hat begonnen. An den Wochenenden rücken die Schüler*innen gemeinsam zur Apfelernte aus. Viele Stunden Arbeit an der frischen Luft liegen nun vor ihnen. Denn die Äpfel werden nicht nur auf den Streuobstwiesen der Schule, sondern auch in vielen privaten Gärten in der Umgebung geerntet. Und das ist richtig harte Arbeit.
Mit langen Stangen rütteln die Schüler*innen die reifen Äpfel von den Bäumen, sammeln sie ein und transportieren sie zur Waschstation. Jetzt ist Ärmelhochkrempeln angesagt, denn jeder einzelne Apfel wird per Hand gründlich gewaschen. Anschließend werden die Äpfel in der Mosterei der Gartenfreunde Kreuztal zu Saft gepresst.

Der naturtrübe, goldgelbe Saft, der in die Flaschen und Abfüllbeutel fließt, ist etwas ganz Besonderes. Die vielen verschiedenen alten Apfelsorten aus der Region verleihen ihm ein ganz spezielles Aroma. Darüber hinaus ist der Saft naturbelassen – künstliche Zusatzstoffe oder Rückstände von Pestiziden sucht man hier vergebens.

Auch bei der Gestaltung der Verpackungen und Preise spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Auf jeder Glasflasche liegt ein Pfand von 1,50 Euro – ein guter Anreiz für die Kund*innen, diese nach dem Verzehr wieder zurückbringen.
Die Qualität und Arbeit, die in dem Saft stecken, spiegeln sich auch in den Preisen wieder: 3,30 Euro kostet der Liter, 8 Euro der 3-Liter Karton. Die Einnahmen ermöglichen der Schülergenossenschaft ein nachhaltiges und ökologisches, auf die Zukunft hin ausgerichtetes Wirtschaften.

Damit der leckere Apfelsaft auch den Weg zu den Kund*innen findet, rühren die Schüler*innen kräftig die Werbetrommel. Nicht nur in ihrem Laden in der Schule, sondern auch auf lokalen Märkten, dem Pfarrfest oder anderen Veranstaltungen zeigen sie Präsenz. Inzwischen hat der Apfelsaft sogar Einzug in die Regale eines lokalen Supermarktes gehalten.

Die Schülergenossenschaft geht an den Start

Angefangen hat alles im Sommer 2015. Die Äpfel an den Bäumen rund um die Sporthalle der Schule leuchteten in bunten Farben, allerdings war niemand da, der sie erntete. Höchste Zeit, das zu ändern, fanden der SV-Lehrer und der Schulleiter. Gemeinsam überlegten sie, wie sich das Obst sinnbringend verwerten ließ. Nach und nach kristallisierte sich immer stärker der Gedanke heraus, eine Schülergenossenschaft zu gründen, die nachhaltigen Apfelsaft produzieren und verkaufen sollte. Kurzum: Die Idee zu „Keppels Früchtchen“ war geboren.

Diese erwies sich als äußerst gewinnbringend – nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit, sondern auch für die Schüler*innen. Bei ihrer Arbeit in der Schülergenossenschaft schlüpfen sie in die Rolle von Unternehmer*innen und lernen, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. Sie erlangen Einblicke in (land-)wirtschaftliche Bereiche und Prozesse, zu denen sie normalerweise keinen Zugang besitzen. Alle wichtigen Entscheidungen werden in demokratischen Abstimmungsprozessen getroffen. Darüber hinaus lernen die Schüler*innen, gemeinsam im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.

2016 ging „Keppels Früchtchen“ offiziell als eingetragene Schülergenossenschaft an den Start. In einem Lernstudio setzen sich Schüler*innen der 8. Jahrgangsstufe alle zwei Wochen in einer Doppelstunde mit betriebswirtschaftlichen, aber auch ganz praktischen Fragen rund um die Produktion, den Vertrieb und Verkauf des Apfelsaftes auseinander. In den Pausen verkaufen sie den Saft gemeinsam mit anderen Schulmaterialien in ihrem Laden. Darüber hinaus ist – ganz besonders in der Erntezeit – auch immer wieder ihr Einsatz am Wochenende gefragt. Mindestens 30 zusätzliche Stunden müssen die Schüler*innen ableisten, die auf ihrem Arbeitszeitenkonto verbucht werden.

Gleich zu Beginn eines jeden Schuljahres steht die Apfelernte an. Dabei wird manchen Schüler*innen klar, dass sie den Zeit- und Arbeitsaufwand unterschätzt haben. Einige fallen dabei gar in ein kleines Motivationsloch. Doch die meisten Schüler*innen sind von Anfang an von der Arbeit begeistert. Sie bringen ihre eigenen Ideen mit ein, engagieren sich und wachsen mit ihren Aufgaben über sich selbst hinaus. Auch später bleiben viele Schüler*innen weiterhin in der Genossenschaft. Sie unterstützen die neuen Achtklässler*innen bei ihrer Arbeit und besetzen Posten im Vorstand und Aufsichtsrat.

Große Unterstützung erhielt „Keppels Früchtchen“ von Anfang an von der Volksbank in Südwestfalen eG, die als Partnergenossenschaft gewonnen werden konnte. Sie verhalf der Schülergenossenschaft 2016 mithilfe von Crowdfunding an den Start und unterstützt sie bei sämtlichen Aktivitäten.

Um den Apfelsaft gewinnbringend zu vermarkten, luden die Schüler*innen einen Marketing-Experten an die Schule ein. Gemeinsam entschieden sie sich ganz bewusst dafür, ein hochwertiges nachhaltiges Produkt auf den Markt zu bringen. Die Qualität, die in dem Saft steckt, wird durch das Etikett „Premium-Apfelsaft“ auch nach außen hin sichtbar gemacht.

„Keppels Früchtchen“ auf Erfolgskurs

Die Arbeit der Schüler*innen trägt reiche Früchte. In den letzten Jahren haben sie eine unglaubliche Menge an Äpfeln geerntet und mehrere tausend Liter Apfelsaft produziert. Besonders der heiße Sommer 2018 führte zu einer Rekordernte: 3.060 Kilo Äpfel wurden gepflückt und zu 2.500 Litern Apfelsaft verarbeitet.

Auch die ersten finanziellen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Schon kurz nach der Gründung schrieb „Keppels Früchtchen“ vierstellige Gewinne. Einen großen Teil der Einnahmen stecken die Schüler*innen in den Ausbau ihres Unternehmens. So haben sie inzwischen eine Streuobstwiese angelegt und viele neue Apfelbäume gepflanzt.

Eine zentrale Rolle spielt auch die Öffentlichkeitsarbeit. Regelmäßig starten die Schüler*innen Aufrufe an Anwohner*innen in der Umgebung mit dem Angebot, überschüssige Äpfel zu ernten. Auf ihrem Blog und in den Sozialen Medien posten sie regelmäßig aktuelle Neuigkeiten rund um ihre Arbeit.

Auch in den lokalen Medien ist „Keppels Früchtchen“ fast ständig präsent; nicht zuletzt durch die erfolgreiche Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben. Bereits im Gründungsjahr gewann die Schülergenossenschaft den ersten Preis beim regionalen Schülerwettbewerb „Vom Schüler zum Chef“. Es folgten viele weitere Auszeichnungen wie der Hilchenbacher Heimatpreis und der Naturschutzpreis der Bezirksregierung Arnsberg. Beim bundesweiten Handwerkswettbewerb „MACH WAS!“ erhielten die Schüler*innen eine Finanzspritze zur Renovierung ihres Verkaufsraums. 2020 wurde „Keppels Früchtchen“ beim Bundesschülerfirmencontest als sechstbeste Schülerfirma in ganz Deutschland ausgezeichnet.

Die Erfolgsserie setzte sich auch bei „Schule der Zukunft“ fort. Innerhalb von vier Jahren wurde „Keppels Früchtchen“ im Unterricht, in den schulinternen Curricula und im Schulprogramm fest verankert. So konnte sich das Gymnasium gleich bei der ersten Teilnahme 2020 über eine Auszeichnung in der höchsten Stufe freuen.

Weitere Aktionen und Projekte rund um BNE

Die grüne, naturnahe Umgebung bietet den Schüler*innen viele weitere Möglichkeiten, um im Natur- und Umweltschutz aktiv zu werden. Ein besonders idyllisches Plätzchen ist der schuleigene Naturlehrgarten, der von Schüler*innen im Bio-Unterricht genutzt wird. Hier finden sich viele unterschiedliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen wie unterschiedliche Wiesenbiotope, ein Teich und eine Feldgehölzecke. Zum 25-jährigen Jubiläum des Gartens wurde 2016 ein digitaler Lehrpfad zu den unterschiedlichen Biotopen eingeweiht.

Ein fester Bestandteil des Bio-Lehrplans ist auch ein Waldpraktikum. Jedes Jahr im Frühling rücken die Schüler*innen der 7. Jahrgangsstufe aus zum Landschaftspflege-Einsatz in ein Naturschutzgebiet. Mit vereinten Kräften harken sie das Gras auf einer gemähten Feuchtwiese zusammen und transportieren es in Schubkarren ab. Die Wiese ist ein wichtiges, schützenwertes Biotop für zwei Orchideen-Arten sowie zahlreiche Amphibien und Insektenarten.

Aber auch in vielen anderen Bereichen der Schule sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit präsent. So treibt der Projektkurs „Keppel Energy“ der Q1 den Bau eines schuleigenen Windkraftrads voran. Mit dem grün produzierten Strom soll unter anderem eine E-Bike-Ladestation betrieben werden. In dem Projektkurs beschäftigen sich die Schüler*innen nicht nur mit technischen, sondern auch mit rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten, wie dem Einholen von Baugenehmigungen und der Finanzierung des Projektes.
Außerdem ist auch hier körperlicher Arbeitseinsatz gefragt. Gemeinsam haben die Schüler*innen die Gräben für das Fundament und das Kabel ausgehoben, rund 100 Meter Leitung verlegt und das Gelände eingezäunt. Sobald das Fundament gegossen ist, kann das Windrad montiert werden.

Auch „Keppels Früchtchen“ wird seine Arbeit in Zukunft fortführen. Da in dem wachsenden Unternehmen immer viele helfende Hände benötigt werden, sollen die jungen Genoss*innen demnächst Verstärkung erhalten. Im Rahmen des 2019 ins Leben gerufenen Projekts „Keppels Zukunftsstifter – Generationen im Dialog" sollen zukünftig ältere Menschen die Schüler*innen bei ihrer Arbeit unterstützten – zum Beispiel bei der Ernte oder Fahrdiensten.

 

Kontakt

Gymnasium Stift Keppel

Stift-Keppel-Weg 37

57271 Hilchenbach

Tel.: 02733/894123

E-Mail: laubenbacher@stiftkeppel.de; schaefftlein@stiftkeppel.de

Website: https://www.keppels-fruechtchen.de/

Weitere Good-Practice-Beispiele für BNE an Schulen

Hier finden Sie Good-Practice-Beispiele einiger Schulen in NRW. Die Schulen besitzen ganz unterschiedliche Profile und Schwerpunkte. Doch eines ist allen gemein: BNE ist inzwischen zu einem festen Bestandteil ihres Schulalltags geworden.

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