„Wir bringen BNE in die Kitas!“

Ökologie und Gesundheit in der Fachschule für Sozialpädagogik

Sie stapfen mit Gummistiefeln durch den Bach, zimmern gemeinsam mit Kindern einen Balancierparcours und beobachten, wie sich Raupen in bunte Schmetterlinge verwandeln. Nicht graue Theorie, sondern vielmehr das eigene Erleben und Ausprobieren stehen im Mittelpunkt der Erzieher*innen-Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik am Berufskolleg Stadtmitte in Mülheim an der Ruhr. In den Vertiefungsbereichen „Ökologie“ und „Körper/Gesundheit“ erwerben die Studierenden jede Menge Fachwissen und machen viele praktische Erfahrungen: Sie bereiten BNE-Themen didaktisch auf und führen anschließend dazu eigene kleine BNE-Projekte in Kitas durch. Dabei werden sie zu Botschafter*innen in Sachen BNE. Sie tragen ihr Wissen und ihre Kompetenzen weiter: an die Kinder, aber auch an die Eltern und Erzieher*innen.

Erste Schritte: Partner*innen finden und Konzept entwerfen

Die Vertiefungsbereiche „Ökologie“ und „Körper/Gesundheit“ sind fest in den Ausbildungsgang Sozialpädagogik der Fachschule integriert. Im ersten der drei Ausbildungsjahre können sich die angehenden Erzieher*innen frei für einen dieser beiden Bereiche entscheiden. Ein Jahr lang setzen sie sich dann intensiv mit den Themen und Inhalten auseinander.

Der Anstoß, diese beiden Vertiefungsbereiche verstärkt ins Programm der Fachschule aufzunehmen, kam aus der Praxis selbst. Denn die Nachfrage und der Bedarf an Angeboten in der Erzieher*innen-Ausbildung in den Bereichen „Natur und Umwelt“ sowie „Körper, Gesundheit und Ernährung“ waren mit der Zeit immer mehr gewachsen. Deshalb begann die Fachschule, die beiden Vertiefungsbereiche „Ökologie“ und „Körper/Gesundheit“ aufzubauen.

Als Erstes galt es, passenden Kooperationspartner*innen zu finden, die über das entsprechende Fachwissen verfügten. Schon bald waren erste Kontakte geknüpft – zum Beispiel mit dem NABU, der Lernwerkstatt Natur Mülheim, einem Waldkindergarten, dem Gesundheitsamt, der AOK Rheinland, der Bewegungswerkstatt Essen sowie einer Zahnärztin und einer Ernährungswissenschaftlerin. Gemeinsam wurde ein Konzept erstellt und Schritt für Schritt in die Praxis umgesetzt.

Die Kooperation mit den Bildungspartner*innen spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. So führt eine NABU-Mitarbeiterin beispielsweise regelmäßig Seminare zur ökologischen Bildung durch. Dadurch sollen die Studierenden fachlich und methodisch fit gemacht werden, um anschließend selbständig ihre eigenen BNE-Projekte mit Kindern durchführen zu können.

Im Seminar: Von der Idee zum Kita-Projekt

Ob sie mit den Kindern Tiere im Wald, am Teich oder auf der Wiese erforschen, die Herkunft verschiedener Obst- und Gemüsesorten erkunden oder Upcycling-Projekte durchführen: Die Entscheidung, mit welchen BNE-Themen sie sich auseinandersetzen, treffen die Studierenden selbst – je nach ihren persönlichen Interessen und Vorlieben. Vorgegeben ist lediglich der äußere Rahmen: Alle Studierenden sollen während eines dreiwöchigen Kita-Praktikums zu ihrem selbst gewählten Thema ein kleines Projekt durchführen.

Am Anfang eines jeden Projektes steht die Idee. Die Studierenden entwickeln zunächst unterschiedliche Vorschläge für mögliche Themen und stellen diese im Seminar in Form einer „Mitmach-Präsentation“ vor. Ziel ist es, möglichst viele Kommiliton*innen für die eigene BNE-Idee zu begeistern.
Die Themen, die den größten Zuspruch gefunden haben, werden anschließend im Seminar in kleinen Gruppen weiter ausgearbeitet. Durch Fachliteratur, Gespräche mit Expert*innen und den Besuch außerschulischer Seminare eignen sich die Studierenden ein umfangreiches Fachwissen zu ihrem Thema an. In den Gruppen planen sie dann gemeinsam ihr kleines BNE-Projekt.

Die Kinder gestalten die Projekte partizipativ mit

Ist die Planung abgeschlossen, geht es endlich hinaus in die Praxis. In den Kitas werden die Studierenden von den Kindern meist mit viel Neugierde und großer Begeisterung empfangen.

Jedes BNE-Projekt startet zunächst mit einem Einstiegsangebot. Dazu besuchen die Studierenden zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern einen Lebensraum wie eine Wiese oder einen Teich. Die Kinder nehmen den Ort genau unter die Lupe: Welche Tiere können sie hier entdecken? Wie riecht es? Welche Pflanzen wachsen hier? Und was gibt es noch alles zu beobachten?

Zurück in der Kita werden alle Eindrücke gesammelt und zusammengetragen. Die Kinder entscheiden nun selbst, mit welchen Schwerpunkten sie sich in welcher Form näher auseinandersetzen möchten.
Anschließend arbeiten die Kinder gemeinsam mit den Studierenden fleißig an ihren Mini-Projekten: Sie beobachten zum Beispiel, wie sich Kaulquappen in Frösche verwandeln, siedeln eine Ameisenkolonie an, erforschen die Spuren von Wildschwein, Hase und Co. im Wald oder erkunden den Weg einer Erdbeere vom Samen bis auf unseren Teller. Dabei kommen viele unterschiedliche Techniken zum Einsatz: Die Kinder gestalten farbige Szenen auf Leinwänden, basteln Tiere und Arbeitswerkzeuge, beobachten die Entwicklung von Tieren und Pflanzen, lernen ihren eigenen Körper genau wahrzunehmen oder legen kleine Biotope im Außengelände an.

Zum Abschluss präsentieren die Kinder ihr BNE-Projekt in der Kita. Auch hierbei spielt Partizipation eine große Rolle. Die Kinder entscheiden selbst, wem und in welcher Weise sie ihr Projekt vorstellen möchten. Ihrer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. So haben Kinder zum Beispiel schon Bilder von ihrem Projekt im Morgenkreis auf dem Beamer präsentiert oder eine Galerie erstellt, durch die sie die Eltern geführt haben.
Die Resonanz auf die BNE-Projekte ist in der Regel äußerst positiv. Alle Kinder sind stolz auf ihre geleistete Arbeit und auch bei den Eltern finden die Projekte großen Anklang. Ebenso wie bei den Erzieher*innen in den Kitas, die sich über die vielen neuen Impulse für ihre Einrichtungen freuen.

Nach dem Praktikum stellen die Studierenden ihre Projekte im Seminar in Form einer Foto-Dokumentation vor. So erhält die ganze Seminargruppe viele anschauliche Impulse für zukünftige BNE-Aktivitäten und -Projekte.

Am Abschluss eines jeden Schuljahres findet eine weitere BNE-Aktion statt. Die Studierenden planen eine Projektwoche zu BNE-Themen in den Bereichen „Ökologie“ oder „Körper/Gesundheit“ und führen diese mit Vorschulkindern aus benachbarten Kitas durch.

BNE-Kompetenzen für die Praxis

Für die Studierenden bieten die BNE-Projekte eine gute Gelegenheit, sich selbst auszuprobieren und viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Neben umfangreichem Hintergrundwissen in den Vertiefungsbereichen „Ökologie“ oder „Körper, Gesundheit und Ernährung“ erwerben sie praktisches Knowhow und verbessern ihre didaktischen Fähigkeiten. Ihr gesamtes Wissen und die erworbenen Kompetenzen können die Studierenden auf ihrem späteren Berufsweg nicht nur in Kitas, sondern auch in anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe einsetzen.

Durch die Projektarbeit lernen die Studierenden zudem, in der Praxis häufig auftauchende Hürden zu meistern – wie zum Beispiel die Finanzierung. Denn für die Anschaffung aller für die Projekte benötigter Materialien sind sie selbst verantwortlich. Auch hier gilt es, gemeinsam mit allen anderen Beteiligten (Kinder, Erzieher*innen und Eltern) kreative und nachhaltige Lösungen zu finden. So überlegen die Studierenden beispielsweise mit den Kindern gemeinsam, wie sich günstige oder kostenlose Alternativen finden lassen. Oft kommen Naturmaterialien oder Upyclingprodukte zum Einsatz. Darüber hinaus sammeln die Kinder auch bei sich zu Hause Materialien und bitten ihre Eltern um Spenden zur Finanzierung des Projektes.

Pläne für die Zukunft

Für ihr BNE-Engagement wurde die Fachschule für Sozialpädagogik im Jahr 2020 als „Schule der Zukunft“ ausgezeichnet.
Die BNE-Aktivitäten werden stetig weiterentwickelt – dabei fließt auch stets das Feedback der Studierenden ein. Auch in institutioneller Hinsicht wurde das Angebot erweitert: Während die Vertiefungsbereiche „Ökologie“ und „Körper/Gesundheit“ zunächst nur im Ausbildungsgang für Sozialpädagogik angeboten wurden, so können seit dem Schuljahr 2020/21 auch Studierende des Praxisorientierten Ausbildungsgangs der Fachschule diese Bereiche wählen.

Für die Zukunft hat sich die Fachschule das Ziel gesetzt, weiter an vielfältigen Projekten in verschiedenen Kitas zu arbeiten und besonders die Partizipation der Kinder bei der Entwicklung der Projekte zu stärken. Darüber hinaus sollen die Studierenden in Zukunft ihr BNE-Wissen während ihrer Ausbildung nicht nur in Kitas, sondern auch verstärkt in andere Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe tragen. Deshalb werden auch Projekte mit BNE-Schwerpunkten im dritten Ausbildungsjahr unterstützt.
So verlassen jedes Jahr viele frisch ausgebildete Erzieher*innen die Fachschule, die ihr Wissen und ihre Kompetenzen rund um BNE in ihre praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einfließen lassen und gemeinsam mit ihnen die Zukunft im Sinne von BNE gestalten.

 

 

Kontakt

Berufskolleg Stadtmitte der Stadt Mülheim an der Ruhr

Fachschule für Sozialpädagogik

Von-Bock-Straße 87

45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: 0208/4554600

E-Mail: miriam.ruppert@bkmh.nrw.schule

Website: http://www.bkmh.de/

 

Weitere Good-Practice-Beispiele für BNE an Schulen

Hier finden Sie Good-Practice-Beispiele einiger Schulen in NRW. Die Schulen besitzen ganz unterschiedliche Profile und Schwerpunkte. Doch eines ist allen gemein: BNE ist inzwischen zu einem festen Bestandteil ihres Schulalltags geworden.

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